Forschungsrahmen

Forschungsdesign

Im Sommersemester 2018 begann das Seminar „Kultur unter der Haut Gesundheitsmetropole Hamburg“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gertraud Koch. Hamburg als Gesundheitsmetropole zeichnet sich durch seine vielfältigen Engagements im Spektrum der Gesundheitsentwicklung aus. Eingeleitet wurde unser Projekt mit der Vorstellung des Poliklinik Projektes auf der Veddel. Eine gemeinsame Exkursion in den Teil Hamburgs, in dem sehr viele Menschen leben, aber nicht eine einzige Apotheke existiert, sensibilisierte uns für das Thema der Medizinanthropologie1. Die gemeinsame Exkursion nach Edinburgh und im Zuge dessen der Teilnahme an der Konferenz „Valuing Health“ des Institutes für medizinische Anthropologie in Edinburgh eröffnete uns das breite Feld der Forschungsmöglichkeiten und die Relevanz anthropologischer Forschung in interdisziplinärer Arbeit, vor allem zu Gesundheit. Die Konferenz regte im Seminar Diskussionen zu den Fragen inwiefern Gesundheitsstrukturen die Gesellschaft determinieren, wer davon profitiert und wer den größten Schaden trägt an. Medizinische Versorgung ist nicht nur private Angelegenheit, sondern staatlich organisiert. Kulturtheorien von Foucault oder Butler fanden Eingang in unsere Betrachtungsweise und das Feld wurde immer greifbarer.  Mit dieser Erkenntnis kamen allerdings schnell Hindernisse wie ethische Konflikte, Tabuisierung verschiedener Themen und der daraus resultierende Mangel an Literatur und Zugangsfindung in die Felder auf. Es hat seine Zeit gedauert bis jede*r sich auf ein Thema festlegte. Als Forscher*in musste man sich stark spezialisieren, sonst hätte sich das Resultat schnell in den Umfang einer Bachelorarbeit ausgedehnt. Durch die Intimität unseres Feldes mussten wir ein Forschungsdesign entwickeln, dass zwar qualitative Forschung beinhaltet, aber die Distanz beim Eindringen in das Feld bewahrt.

Kulturanthropologische Zugänge zu Gesundheit – Medizin – Körper

Um den Rahmen unseres Projektes einzugrenzen, konzentrieren wir uns auf vier Kategorien: Subjektivierung, Wissen, Gouvernementalität bzw. Biomacht und Materialität. Diese dynamischen Kategorien bildeten sich während unserer Feldforschungen und der anschließenden Analyse unseres empirischen Materials heraus und stellen in der Kulturanalyse fruchtbare Perspektiven dar, um gesundheitsspezifische Alltagsphänomene erforschen zu können. Es spielen Aushandlungsprozesse über Definitionen von Gesundheit und Krankheit eine Rolle, die von medizinischen, wissenschaftlichen, staatlichen  und zivilgesellschaftlichen Akteuren bestimmt werden. Je nach Deutungshoheit entstehen unterschiedliche Vorstellungen , die gesellschaftlich als unterschiedlich relevant bewertet werden. Diese Bewertungen möchten wir in unseren Forschungen durch kulturanthropologische Literatur und empirische Forschung kritisch hinterfragen und Strukturen dahinter offen legen.

An der Schnittstelle von Gesundheitsprävention- und förderung können Zuschreibungen nicht vom menschlichen Körper losgelöst betrachtet werden. Deshalb interessieren uns in den Forschungsdesigns das Wechselspiel von produziertem Wissen und handelnden Akteuren, die ihre Umwelt aktiv gestalten, von dieser aber auch gestaltet werden. Diese Fremd- und Selbstgestaltung schreiben sich in die individuellen Körper ein.


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